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Das Jugendherbergswerk Bayern gehört laut einer HWR-Berlin-Studie zu den Top 25 Arbeitgebern in der deutschen Gastro-Welt – ein Signal für den Personalwettbewerb der Branche.

Microsoft Katja (Neural, deutsch)
In einer Branche, die seit Jahren über Personalmangel klagt, ist ein öffentliches Arbeitgeberlob eine belastbarere Währung als jede Imagekampagne. Das Jugendherbergswerk Bayern (DJH Bayern) hat diese Währung jetzt bekommen: Der Landesverband gehört laut dem aktuellen Arbeitgeberattraktivitäts-Rating der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) zu den 25 attraktivsten Arbeitgebern in der gesamten deutschen Gastro-Welt – also in Hotellerie und Gastronomie. Grundlage sind anonyme Bewertungen von Beschäftigten aus über 30.000 Unternehmen.
Die Studie, geleitet von Prof. Dr. Sandra Rochnowski, fragt 63 Einzelaspekte ab – von Ansehen und Innovationsgrad über Gehalt, Aufstiegsmöglichkeiten und Talentförderung bis hin zu Jobeigenschaften, betrieblichen Benefits und Unternehmenskultur. Bewertet werden dürfen Auszubildende, Fach- und Führungskräfte, Inhaber ebenso wie Quereinsteiger oder Werkstudierende. Die Ergebnisse werden jährlich auf dem Deutschen Hotelkongress der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung präsentiert.
Die Platzierung des DJH Bayern ist nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, weil der Wettbewerb, gegen den die Jugendherbergen antreten, aus kommerziellen Privat-, Ketten- und Sternehotels besteht. Letztere können oft mit deutlich höheren Umsätzen pro Zimmer und damit flexibleren Budgets für Mitarbeiterleistungen arbeiten. Jugendherbergen sind dagegen als gemeinnützige Träger strukturell anders aufgestellt – ihre Wirtschaftsrechnung basiert nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf einem Bildungs- und Begegnungsauftrag.
Dass ausgerechnet ein nicht gewinnorientierter Betrieb in einem eigentlich stark umkämpften Feld so platziert wird, ist damit auch ein Hinweis auf veränderte Prioritäten der Beschäftigten: Sinnhaftigkeit, Planbarkeit und Unternehmenskultur gewinnen offenbar gegenüber reinen Gehaltsspitzen an Bedeutung.
Welche Stellschrauben das DJH Bayern nach eigenen Angaben gedreht hat, lässt sich relativ konkret benennen. Zu den wichtigsten Punkten zählen konsequent tarifgerechte Bezahlung, Treuekarten mit Boni für Beschäftigte, die Einführung des Job-Rads sowie die Berücksichtigung von Diversitäts-Dimensionen – etwa bei Dienstplänen mit Rücksicht auf religiöse Feiertage oder in der aktiven Förderung der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung.
Viele dieser Maßnahmen sind für sich genommen kein Alleinstellungsmerkmal – in Summe ergeben sie aber ein Paket, das vor allem im Vergleich zum Branchendurchschnitt der Hotellerie und Gastronomie auffällt. Dort sind Dienstplanflexibilität, faire Schichtplanung und strukturelle Weiterbildung noch immer keine Selbstverständlichkeit.
„Als Landesverband Bayern sind wir enorm stolz, dass unsere Mitarbeitenden in den 46 Jugendherbergen in Bayern so überproportional zufrieden mit ihrem Arbeitgeber sind", sagt Michael Gößl, Vorstand des DJH Bayern. „Für uns bedeutet das, dass wir die richtigen Weichen zur richtigen Zeit gestellt haben." Gleichzeitig wolle das DJH mit dieser Platzierung auch die Attraktivität der gesamten Branche als Berufsfeld steigern.
Dass Arbeitgeberattraktivität kein rein akademisches Konzept ist, zeigt sich laut DJH Bayern in mehreren praktischen Kennzahlen. Vakante Stellen ließen sich „deutlich schneller" wiederbesetzen als zuvor, die Mitarbeiterbindung steige, und die Identifikation mit dem Unternehmen sei spürbar höher. „Schlussendlich spüren unsere Gäste, dass die Teams in den Jugendherbergen Gastgeber aus Überzeugung und Leidenschaft sind", so Gößl.
Diese Kette – Arbeitgeberzufriedenheit, niedrigere Fluktuation, geringere Wiederbesetzungskosten, höhere Servicequalität – ist ein Zusammenhang, den Personalforscher seit Jahren dokumentieren. Für Betriebe im Gastgewerbe, wo die Wiederbesetzung einer Stelle häufig Monate dauert und parallel operativ abgefangen werden muss, sind das keine weichen Nebeneffekte, sondern harte betriebswirtschaftliche Größen.
Die Branche insgesamt steht unter erheblichem Anpassungsdruck. Fachkräftemangel, hohe Energiekosten, gestiegene Lebensmittelpreise und veränderte Buchungs- und Reiseverhalten nach der Pandemie haben viele Betriebe gezwungen, ihre Personalstrategie neu zu denken. Parallel wächst der Erwartungshorizont der Beschäftigten – vor allem jüngerer Jahrgänge – in Richtung besserer Vereinbarkeit, klarer Dienstpläne und spürbarer Sinnorientierung.
In diesem Kontext liefert das Ergebnis aus Bayern ein Signal, das über den Verband hinausweist. Wenn ein gemeinnütziger Bildungs- und Begegnungsbetrieb mit 46 Häusern und kommunalen Partnerschaften in einer wettbewerbsintensiven Branche zu den Top 25 gehört, ist das kein Zufallsbefund, sondern ein Hinweis darauf, dass sich die Anforderungen an gute Arbeitgeber gerade verschieben – und dass Tarifbindung, kulturelle Offenheit und mitarbeiterfreundliche Strukturen dabei messbar zu Buche schlagen.
Ob sich die jetzt bestätigte Platzierung des DJH Bayern mittelfristig halten lässt, hängt nicht nur am Verband selbst, sondern auch daran, wie stark andere Anbieter der Branche nachziehen. Für das Jugendherbergswerk bietet das Ranking jedenfalls eine solide Grundlage, die eigene Personalpolitik weiter auszubauen – und ein nicht zu unterschätzendes Argument im Wettbewerb um Auszubildende, Quereinsteiger und Fachkräfte, der in den kommenden Jahren eher härter als milder werden dürfte.