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Wasserstoff als Schlüssel zur Dekarbonisierung der Industrie

Eine Analyse des Fraunhofer IEG zeigt, dass die Kosten für Transport und Speicherung von grünem Wasserstoff die Wirtschaftlichkeit von Wasserstoffkraftwerken bis 2035 erheblich beeinflussen können. Diese Herausforderungen sind besonders relevant für Betreiber von Kraftwerken und die Industrie, die sich auf flexible Nutzung einstellen müssen.

Wasserstoff als Schlüssel zur Dekarbonisierung der Industrie
Sandra Eilers
4 Min. Lesezeit
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Microsoft Katja (Neural, deutsch)

Im Kontext der Klimaziele und der angestrebten Dekarbonisierung der Industrie gewinnt Wasserstoff zunehmend an Bedeutung. Seine Rolle als saubere Energiequelle steht jedoch vor Herausforderungen, die über die reinen Erzeugungskosten hinausgehen. Eine aktuelle Analyse des Fraunhofer IEG, die am 6. Juli 2026 in einem Webinar vorgestellt wird, zeigt auf, dass die Kosten für Transport und Speicherung von grünem Wasserstoff die Gesamtkosten bis ins Jahr 2035 signifikant erhöhen können. Dies hat weitreichende Implikationen für die Wasserstoffabnehmer in Deutschland, insbesondere für die Betreiber von Kraftwerken und die Industrie.

Hohe Kosten durch Infrastruktur und Nachfragespitzen

Die Analyse des Fraunhofer IEG berücksichtigt nicht nur die Erzeugungskosten von grünem Wasserstoff, sondern auch die entsprechenden Infrastrukturkosten für Transport und Speicherung. Insbesondere für Kraftwerke stellen diese Kosten einen erheblichen Faktor dar. Bei Strom betriebenen Wasserstoffturbinen entsteht der Bedarf an Wasserstoff oft genau dann, wenn dieser nicht erzeugt werden kann. Der Wasserstoff muss aus Speichern bereitgestellt werden, was zusätzliche Speicherkosten generiert. Dadurch wird deutlich, dass die Wirtschaftlichkeit von Wasserstoffkraftwerken stark von den spezifischen Nachfrageprofilen abhängt.

Zusätzlich zu den Speicherkosten fallen auch Netzentgelte an den Ein- und Ausspeisepunkten an. Diese Kosten sind für Betreiber von Spitzenlastkraftwerken besonders problematisch, da solche Anlagen häufig nur wenige Stunden im Jahr betrieben werden. Die damit verbundenen Hochlaufentgelte für das Wasserstoffkernnetz werden als jährlicher Festpreis berechnet, was die spezifischen Transportkosten pro Kilogramm ausgespeistem Wasserstoff in die Höhe treibt. Vor diesem Hintergrund wird es für Betreiber von Wasserstoffkraftwerken zunehmend schwierig, im sogenannten Energy-Only-Markt wirtschaftlich zu agieren.

Industrie profitiert von flexibler Nutzung

Im Gegensatz zu den hohen Kosten, die für Kraftwerksbetreiber anfallen, bleiben die Infrastrukturkosten für industrielle Abnehmer, die Wasserstoff als Energieträger oder chemischen Grundstoff nutzen, relativ moderat. Bei einem konstanten Abnahmeprofil, auch bekannt als Bandlast, betragen die Infrastrukturkosten selbst im Maximalfall lediglich 16 Prozent der Gesamtkosten. Dies liegt daran, dass die Netzentgelte über eine größere Anzahl von Volllaststunden umgelegt werden, was die spezifischen Transportkosten reduziert.

Ein weiterer Vorteil für die Industrie ist die Möglichkeit, die Wasserstoffnutzung flexibel zu gestalten. Wenn industrielle Betriebe ihre Produktion so planen, dass sie Wasserstoff in Zeiten nutzen, in denen er direkt erzeugt wird, können sie die Speicherkosten vollständig vermeiden. Der Verzicht auf Transportkosten durch vor Ort erzeugten Wasserstoff stellt eine strategische Option dar, die von vielen Unternehmen in Betracht gezogen werden sollte. Allerdings ist eine genaue Berechnung erforderlich, um zu entscheiden, ob eine flexible Produktion oder eine kontinuierliche Versorgung durch das Wasserstoffnetz wirtschaftlicher ist.

Unsicherheiten und strategische Anpassungen

Die Untersuchung des Fraunhofer IEG legt nahe, dass der Hochlauf des deutschen Wasserstoffmarktes durch strukturelle Unsicherheiten behindert wird. Eine der zentralen Herausforderungen besteht darin, dass Investoren Schwierigkeiten haben, verlässliche Prognosen über die zukünftigen Kosten zu erstellen. Die Analyse zeigt, dass nicht nur die Erzeugungskosten von Bedeutung sind, sondern auch die regulatorischen Rahmenbedingungen und die damit verbundenen Entgelte einen erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit von Wasserstoffprojekten haben.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzen die Forschenden des Fraunhofer IEG auf innovative Analysemethoden, die potenziellen Abnehmern und Erzeugern von Wasserstoff helfen sollen, die Unsicherheiten strategisch zu bewältigen. Anstelle von einfachen Punktprognosen werden Kostenbandbreiten ermittelt, die in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren wie Regulatorik und technischer Auslegung variieren. Diese Vorgehensweise bietet Unternehmen eine belastbare Basis für strategische Entscheidungen und Risikoanalysen.

Fazit

Die Analyse des Fraunhofer IEG verdeutlicht, dass die Kostenstruktur für grünen Wasserstoff weit komplexer ist als oft angenommen. Während die Erzeugungskosten als relativ transparent gelten, können Transport und Speicherung signifikante Kostenfaktoren darstellen, insbesondere für Wasserstoffkraftwerke. Die Industrie hingegen hat die Möglichkeit, von flexiblen Nutzungskonzepten zu profitieren. Angesichts der bestehenden Unsicherheiten im Markt ist es für alle Akteure entscheidend, umfassende Analysen der Kostenstrukturen durchzuführen und strategische Anpassungen zu erwägen, um im sich entwickelnden Wasserstoffmarkt erfolgreich zu agieren.

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Quelle: Mitteilung von Fraunhofer IEG