Ein Balkonkraftwerk mit Speicher erhöht den Eigenverbrauch drastisch. Wir vergleichen die besten Speicherlösungen und zeigen, ob sich die Investition lohnt.
Eine Solaranlage für die Steckdose mit integriertem Speicher kombiniert die Einfachheit eines Balkonkraftwerks mit der Möglichkeit, den erzeugten Strom auch dann zu nutzen, wenn die Sonne nicht scheint. Während ein klassisches Balkonkraftwerk ohne Speicher überschüssigen Strom ungenutzt ins Netz einspeist, speichert die Variante mit Batterie den Überschuss für den späteren Verbrauch. In diesem umfassenden Ratgeber beleuchten wir alle Aspekte dieser Technologie.
Das Grundprinzip einer Stecker-Solaranlage mit Speicher ist einfach: Tagsüber erzeugen die Solarmodule Strom. Was nicht sofort verbraucht wird, fließt in den angeschlossenen Batteriespeicher. Am Abend und in der Nacht gibt der Speicher den gespeicherten Strom wieder ab und speist ihn ins Hausnetz ein. So kann der Solarstrom auch zu Zeiten genutzt werden, in denen keine Erzeugung stattfindet – typischerweise in den Abendstunden, wenn der Stromverbrauch am höchsten ist.
Die technische Umsetzung erfolgt über verschiedene Systemarchitekturen. Bei der häufigsten Variante wird der Batteriespeicher zwischen die Solarmodule und den Wechselrichter geschaltet. Der Speicher nimmt den Gleichstrom der Module auf und gibt ihn bei Bedarf an den Wechselrichter weiter, der den Strom in Wechselstrom umwandelt und ins Hausnetz einspeist. Alternative Systeme verwenden einen separaten Speicherwechselrichter, der AC-seitig angeschlossen ist.
Die Speicherkapazitäten für Balkonkraftwerke liegen typischerweise zwischen 1 und 5 Kilowattstunden. Für ein Standard-Balkonkraftwerk mit 800 Wp Modulleistung ist eine Speicherkapazität von 1,5 bis 2,5 kWh in der Regel ausreichend, um den größten Teil des Tagesüberschusses aufzunehmen und am Abend wieder abzugeben. Größere Speicher lohnen sich vor allem für Haushalte mit hohem Abendverbrauch oder wenn mehr Modulleistung angeschlossen ist.
Mehrere Hersteller bieten mittlerweile integrierte Systeme an, die speziell für die Kombination mit Balkonkraftwerken entwickelt wurden. Anker SOLIX, Zendure und EcoFlow gehören zu den bekanntesten Anbietern. Ihre Systeme umfassen Speicher, Mikro-Wechselrichter und intelligente Steuerung in einem Paket. Die Steuerung erfolgt per App und optimiert den Lade- und Entladevorgang automatisch.
Die Zendure SolarFlow-Serie ist eines der populärsten Systeme auf dem deutschen Markt. Mit modularen Speichereinheiten von jeweils 960 Wh, die auf bis zu 3.840 Wh erweitert werden können, bietet es flexible Kapazitäten. Die intelligente Steuerung misst den aktuellen Hausverbrauch über einen Smart Plug oder CT-Sensor und passt die Einspeisung aus dem Speicher dynamisch an den tatsächlichen Bedarf an.
Anker SOLIX Solarbank bietet ein ähnliches Konzept mit Speicherkapazitäten von 1.600 bis 3.200 Wh. Besonders hervorzuheben ist die einfache Installation und die intuitive App-Steuerung. Das System kann mit nahezu allen gängigen Mikro-Wechselrichtern und Solarmodulen kombiniert werden und fügt sich nahtlos in bestehende Balkonkraftwerk-Installationen ein.
Die Wirtschaftlichkeit einer Stecker-Solaranlage mit Speicher hängt von mehreren Faktoren ab. Ohne Speicher liegt der typische Eigenverbrauchsanteil eines Balkonkraftwerks bei 30 bis 50 Prozent – der Rest wird ungenutzt eingespeist. Mit Speicher steigt der Eigenverbrauchsanteil auf 70 bis 90 Prozent. Bei einem jährlichen Ertrag von 600 kWh und einem Strompreis von 30 Cent ergibt sich eine jährliche Ersparnis von 180 bis 270 Euro mit Speicher, verglichen mit 90 bis 150 Euro ohne Speicher.
Die Mehrkosten für den Speicher liegen je nach Kapazität und Hersteller bei 500 bis 1.500 Euro. Bei einer Mehrersparnis von etwa 90 bis 120 Euro pro Jahr gegenüber einem speicherlosen System amortisiert sich der Speicher in 4 bis 12 Jahren. Dies ist deutlich länger als die Amortisation des Balkonkraftwerks selbst, weshalb die Wirtschaftlichkeit des Speichers kritisch betrachtet werden muss.
Die Lebensdauer der eingesetzten Lithium-Eisenphosphat-Batterien liegt bei über 6.000 Ladezyklen, was bei täglicher Nutzung einer Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren entspricht. Diese Technologie ist besonders sicher und temperaturbeständig, was sie ideal für den Einsatz im häuslichen Umfeld macht. Auch die Umweltbilanz von LFP-Batterien ist günstiger als die anderer Lithium-Ionen-Typen, da sie kein Kobalt oder Nickel enthalten.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Balkonkraftwerke mit Speicher entsprechen im Wesentlichen denen für Systeme ohne Speicher. Die Anmeldung im Marktstammdatenregister ist erforderlich, wobei der Speicher zusätzlich angegeben werden muss. Die Einspeiseleistung bleibt auf die gesetzlich zulässige Grenze begrenzt, wobei der Speicher die zeitliche Verteilung der Einspeisung verändert, aber nicht die maximale Leistung.
Zusammenfassend bietet eine Solaranlage für die Steckdose mit Speicher die Möglichkeit, den Eigenverbrauch deutlich zu steigern und den Nutzen des Balkonkraftwerks zu maximieren. Die Technologie ist ausgereift, die Installation einfach und die Auswahl an Systemen wächst stetig. Ob sich die Mehrinvestition lohnt, hängt von den individuellen Verbrauchsgewohnheiten, dem Strompreis und den persönlichen Prioritäten ab.