Zurück zur Übersicht

Prologis aktiviert 3,3-MW-Dachsolaranlage am Søstrene-Grene-Standort Venlo

Prologis hat in Venlo eine 3,3-MW-Dachsolaranlage in Betrieb genommen. Die Anlage versorgt das neue Distributionszentrum von Søstrene Grene und speist Grünstrom ins Netz ein.

Prologis aktiviert 3,3-MW-Dachsolaranlage am Søstrene-Grene-Standort Venlo
Lena Hartwig
4 Min. Lesezeit
Vorlesen

Microsoft Katja (Neural, deutsch)

Prologis hat am 23. April 2026 in seinem neuen Distributionszentrum für den dänischen Einzelhändler Søstrene Grene im Prologis Park Venlo eine 3,3-MW-Dachsolaranlage in Betrieb genommen. Die Anlage verbindet zwei Funktionen auf demselben Dach: Sie liefert Strom für den Eigenbedarf des Standorts und speist gleichzeitig erneuerbare Energie ins niederländische Netz ein. Damit wird das vollständig elektrisch betriebene Logistikgebäude zu einem aktiven Baustein der lokalen Energieversorgung.

Hybridkonzept: 0,7 MW Eigenversorgung plus 2,6 MW Netzeinspeisung

Die Photovoltaikanlage ist als Hybridlösung konzipiert. 0,7 MW PV-Leistung sind direkt auf den Strombedarf des Distributionszentrums ausgelegt und decken Verbraucher wie Beleuchtung, Förderanlagen und das Lademanagement der Flotte ab. Die verbleibenden 2,6 MW werden über einen Netzanschluss als Grünstrom in das Verteilnetz eingespeist und stehen so anderen Verbrauchern in der Region zur Verfügung. Dieses Konzept nutzt die Dachfläche maximal aus und beantwortet zugleich eine Frage, die in den Niederlanden zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie lassen sich PV-Großanlagen so planen, dass sie zu den realen Netzbedingungen passen?

Erstes Distributionszentrum von Søstrene Grene außerhalb Dänemarks

Das rund 45.000 Quadratmeter große Gebäude im Prologis Park Venlo ist das erste Distributionszentrum, das der Einzelhändler außerhalb Dänemarks betreibt. Von Venlo aus werden Filialen und Endkunden in den Niederlanden sowie in weiteren europäischen Märkten beliefert. Die geografische Lage verkürzt die Transportwege spürbar und reduziert damit die CO2-Emissionen entlang der Logistikkette. Neben der Solaranlage setzt Søstrene Grene am Standort auf nachhaltigere Baumaterialien und auf konstruktive Entscheidungen, die eine spätere Wiederverwendung der Bausubstanz erleichtern sollen.

Praktisches Beispiel für Sektorkopplung in der Logistik

Für Prologis ist das Projekt Teil einer übergeordneten Dekarbonisierungsstrategie. Das von der Science Based Targets Initiative validierte Netto-Null-Ziel des Unternehmens für die gesamte Wertschöpfungskette bis 2040 wird durch konkrete Bausteine wie diesen Standort untermauert. Nach Unternehmensangaben verfügt Prologis weltweit derzeit über mehr als 1 GW Solarleistung, ergänzt durch Batteriespeicher. „Es geht nicht mehr nur darum, ob Dachsolaranlagen installiert werden können, sondern darum, ob Projekte unter Berücksichtigung der tatsächlichen Netzbedingungen konzipiert werden können", betont Melchert Duijve, VP Energy Solutions Europe bei Prologis.

Bedeutung für den deutschen Markt

Auch wenn das Projekt in den Niederlanden realisiert wurde, sind die Lehren für den deutschen Markt unmittelbar anwendbar. Logistik- und Industriedächer gelten hierzulande als eines der größten ungenutzten Flächenpotenziale für Photovoltaik. Hybridkonzepte aus Eigenversorgung und Volleinspeisung werden mit der zunehmenden Spreizung zwischen Bezugs- und Einspeisetarifen wirtschaftlich attraktiver, vor allem wenn der Eigenverbrauchsanteil durch Lastflexibilität und Batteriespeicher gehoben wird. Für Logistikbetreiber wird die Frage nach Netzbereitschaft und intelligenter Anlagensteuerung zum entscheidenden Standortfaktor.

Fazit/Ausblick

Die 3,3-MW-Dachsolaranlage in Venlo zeigt, dass moderne Distributionszentren weit mehr leisten können als reine Lagerfunktion. Die Kombination aus Eigenversorgung und Netzeinspeisung macht aus dem Logistikgebäude einen aktiven Akteur im Stromsystem und liefert ein Beispiel, wie Sektorkopplung in der Praxis funktioniert. Für Eigentümer und Betreiber großer Dachflächen in Deutschland lohnt sich daher der Blick auf solche Hybridmodelle, sobald die regulatorischen Rahmenbedingungen und der Netzanschluss eine wirtschaftliche Doppelnutzung erlauben.