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Neues Standardwerk: Photovoltaik im Alles-in-einem-Band von Krauter und Froitzheim

Mit „Photovoltaik. Alles-in-einem-Band für Dummies" haben Stefan Krauter und Armin M. Froitzheim ein umfangreiches Werk vorgelegt, das PV als Teil eines elektrifizierten Energiesystems behandelt.

Neues Standardwerk: Photovoltaik im Alles-in-einem-Band von Krauter und Froitzheim
Felix Karg
5 Min. Lesezeit
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Microsoft Katja (Neural, deutsch)

Mit „Photovoltaik. Alles-in-einem-Band für Dummies" haben Prof. Dr.-Ing. Stefan Krauter (Universität Paderborn) und Dr. Armin M. Froitzheim einen umfangreichen Überblick zur Photovoltaik vorgelegt. Der bei Wiley-VCH erschienene Band behandelt Solarstrom auf 592 Seiten nicht als isolierte Technologie, sondern als Bestandteil eines zunehmend elektrifizierten Energiesystems. Der Anspruch der Autoren: ein Werk, das Einsteiger an die Hand nimmt und gleichzeitig Fachleser, Energieexperten und technisch interessierte Entscheider mit belastbaren Daten und Faustregeln versorgt.

Vom Solarmodul bis zur Systemarchitektur

Strukturell deckt der Band die gesamte Wertschöpfungslogik einer PV-Anlage ab. Den Einstieg bilden die physikalischen Grundlagen der Solarstromerzeugung – Halbleiterphysik, Wirkungsgrade, Verschattung, Temperaturkoeffizient. Darauf aufbauend werden zentrale Komponenten erklärt: Module, Wechselrichter, Batteriespeicher und Energiemanagementsysteme. Den Schluss bilden komplette Systemarchitekturen, von netzgekoppelten Anlagen über Hybridsysteme bis zu Off-Grid-Lösungen. Praxistaugliche Faustregeln, Ertragsgrößen und Einflussfaktoren begleiten die Kapitel und erlauben es, das Gelesene direkt in Auslegungsentscheidungen zu übersetzen.

Schwerpunkt Sektorkopplung und vollständig erneuerbare Versorgung

Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Rolle der Photovoltaik in einem vollständig erneuerbaren Energiesystem. Eigenverbrauchsoptimierung, Speicherintegration, Notstromfähigkeit sowie die Sektorkopplung über Wärmepumpen und Elektromobilität werden nicht nur beschrieben, sondern in ihren technischen und energetischen Wechselwirkungen eingeordnet. Damit schlägt der Band die Brücke von der Einzelanlage – Balkonkraftwerk, Aufdach-PV, Freifläche, Off-Grid – bis zur energiewirtschaftlichen Gesamtbetrachtung. Ein Aspekt, der gerade in Diskussionen um Dunkelflaute, Netzbildung und systemdienliche PV häufig zu kurz kommt.

Faktencheck statt Mythen

Eine Besonderheit des Buches ist der explizite Faktencheck zu verbreiteten PV-Mythen. Themen wie Energierücklaufzeit, Recyclingfähigkeit, Verhalten bei Schneelast, Wirkungsgradverluste in Norddächern oder die Wirtschaftlichkeit von Speichern werden mit belastbaren Quellen entkräftet oder eingeordnet. Für Fachjournalisten und Berater liefert dieser Teil eine sachliche Referenz, mit der sich häufig wiederholte Vorbehalte aus Beratungsgesprächen oder Leserdiskussionen seriös auflösen lassen. Das ist gerade in einer Phase wertvoll, in der die öffentliche Debatte um Energiekosten und Versorgungssicherheit emotional aufgeladen wird.

Autoren mit Forschung und Industrieerfahrung

Die Doppelbesetzung der Autoren prägt den Charakter des Buches. Stefan Krauter ist seit 2010 Professor und Lehrstuhlinhaber für Elektrische Energietechnik – Nachhaltige Energiekonzepte an der Universität Paderborn und bringt mehr als 35 Jahre wissenschaftliche Erfahrung in der Photovoltaik mit. Armin M. Froitzheim hat seit 2003 leitende Positionen entlang der PV-Wertschöpfungskette ausgefüllt – unter anderem bei Shell Solar, Ersol, Bosch Solar Energy, SolarWorld Industries Thüringen und zuletzt als CTO bei SOLARWATT. Aus dieser Kombination entsteht eine Perspektive, die akademische Tiefe mit industrieller Umsetzungserfahrung verbindet – eine seltene Kombination im deutschsprachigen PV-Schrifttum.

Einordnung im Markt der PV-Fachliteratur

Im deutschsprachigen Raum existiert eine wachsende Zahl an PV-Ratgebern, die meist auf Endkunden zielen, sowie wissenschaftliche Standardwerke, die Studierende und Forschende ansprechen. Der „Alles-in-einem-Band" versucht, beide Welten zusammenzuführen – ein Anspruch, der aufgrund des Umfangs von rund 592 Seiten umsetzbar wird. Wer eine kompakte Verbraucherbroschüre sucht, ist hier möglicherweise überdimensioniert bedient; wer als Berater, Planer, Energiejournalist oder technisch interessierter Investor ein durchgehend belastbares Nachschlagewerk braucht, findet eine sinnvolle Referenz für den Schreibtisch.

Fazit/Ausblick

Mit dem neuen Band schließt Wiley-VCH eine Lücke zwischen Einsteigerliteratur und akademischen Standardwerken. Stärke des Buches ist die systemische Perspektive: Photovoltaik wird konsequent als Teil eines Gesamtsystems behandelt, in dem Eigenverbrauch, Speicher, Wärmepumpe und E-Mobilität zusammenwirken. Für Fachleser und Praktiker dürfte das Werk damit zu einer der nützlichen Neuerscheinungen 2026 zählen – gerade weil die Debatte um eine resiliente, weitgehend elektrifizierte Energieversorgung in Deutschland und Europa an Tempo gewinnt.