Perowskit-Solarzellen versprechen höhere Wirkungsgrade bei niedrigeren Kosten. Wir erklären die Technologie und ihren aktuellen Entwicklungsstand.
Perowskit-Solarzellen gelten als die vielversprechendste Innovation in der Photovoltaik seit der Erfindung der Siliziumzelle. Innerhalb von nur fünfzehn Jahren haben sie einen Wirkungsgradsprung vollzogen, der bei Silizium Jahrzehnte gedauert hat. In diesem Artikel erklären wir die faszinierende Technologie hinter Perowskit-Solarzellen, ihren aktuellen Entwicklungsstand und die Herausforderungen auf dem Weg zur kommerziellen Marktreife.
Perowskite sind Materialien mit einer bestimmten Kristallstruktur, die nach dem russischen Mineralogen Lew Perowski benannt ist. In der Photovoltaik werden hauptsächlich organisch-anorganische Halogenid-Perowskite verwendet, die chemisch als ABX3 beschrieben werden. Dabei steht A für ein organisches Kation wie Methylammonium oder Formamidinium, B für ein Metallkation wie Blei oder Zinn, und X für ein Halogenid wie Iod, Brom oder Chlor.
Die besonderen Eigenschaften von Perowskiten machen sie für die Photovoltaik äußerst interessant. Sie absorbieren Licht sehr effizient, haben eine hohe Ladungsträgerbeweglichkeit und können in dünnen Schichten von weniger als einem Mikrometer Dicke aufgebracht werden. Zudem lassen sich ihre optischen Eigenschaften durch Variation der chemischen Zusammensetzung gezielt einstellen, was sie ideal für Tandemzellen macht.
Der Wirkungsgrad von Perowskit-Solarzellen hat eine rasante Entwicklung genommen. Im Jahr 2009 lag er bei lediglich 3,8 Prozent. Seitdem hat er sich vervielfacht und erreicht in Einzelzellen-Labormessungen über 26 Prozent. Dies kommt dem theoretischen Maximum von Siliziumzellen bereits sehr nahe und wurde in einem Bruchteil der Entwicklungszeit erreicht. Die Geschwindigkeit dieser Fortschritte ist in der Geschichte der Photovoltaik beispiellos.
Besonders aufregend ist das Potenzial von Perowskit-Silizium-Tandemzellen. Bei dieser Technologie wird eine Perowskit-Zelle auf eine konventionelle Siliziumzelle aufgebracht. Die Perowskit-Schicht absorbiert den kurzwelligen Teil des Lichts, während die Siliziumzelle den langwelligen Teil nutzt. Dadurch wird ein größerer Anteil des Sonnenspektrums in Strom umgewandelt. Laborwirkungsgrade von über 33 Prozent wurden bereits demonstriert, und einige Hersteller planen die kommerzielle Produktion solcher Tandemmodule.
Die Herstellungskosten von Perowskit-Solarzellen versprechen deutlich niedriger zu sein als bei konventionellen Siliziumzellen. Perowskit-Schichten können bei niedrigen Temperaturen aus Lösungen aufgebracht werden, was energieintensive Hochtemperaturprozesse wie bei der Siliziumherstellung überflüssig macht. Verfahren wie Schlitzdüsenbeschichtung, Inkjet-Druck oder Rolle-zu-Rolle-Beschichtung ermöglichen eine potenziell sehr kostengünstige Massenproduktion.
Die größte Herausforderung auf dem Weg zur Marktreife ist die Langzeitstabilität. Perowskit-Materialien sind anfällig für Degradation durch Feuchtigkeit, Hitze und UV-Strahlung. Während Silizium-Solarzellen Lebensdauern von 30 Jahren und mehr erreichen, haben Perowskit-Zellen in der Vergangenheit deutlich kürzere Haltbarkeiten gezeigt. Intensive Forschung hat jedoch zu erheblichen Fortschritten geführt. Durch verbesserte Verkapselungstechniken und stabilere Materialkombinationen konnten die Lebensdauern deutlich verlängert werden.
Ein weiteres Problem ist der Einsatz von Blei in den meisten leistungsfähigen Perowskit-Formulierungen. Blei ist giftig und seine Verwendung in Konsumprodukten ist reguliert. Die Forschung arbeitet an bleifreien Alternativen auf Basis von Zinn oder Bismut, die jedoch bislang niedrigere Wirkungsgrade erreichen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass die Bleimenge in einer Perowskit-Solarzelle so gering ist, dass das Umweltrisiko bei sachgemäßer Entsorgung und Recycling beherrschbar ist.
Mehrere Unternehmen weltweit arbeiten an der Kommerzialisierung von Perowskit-Technologien. Oxford PV in Großbritannien hat eine Pilotproduktion von Perowskit-Silizium-Tandemzellen gestartet und plant die Skalierung auf Gigawatt-Niveau. Das deutsche Helmholtz-Zentrum Berlin hat Rekordwirkungsgrade für Tandemzellen erzielt. In China und Japan investieren Großkonzerne wie LONGi und Panasonic ebenfalls in Perowskit-Forschung und -Produktion.
Die Anwendungsmöglichkeiten von Perowskit-Solarzellen gehen über konventionelle Dach- und Freiflächenanlagen hinaus. Ihre Flexibilität und das geringe Gewicht machen sie ideal für gebäudeintegrierte Photovoltaik, bei der Fassaden, Fenster oder Dächer mit semitransparenten Solarzellen ausgestattet werden. Auch tragbare Elektronik, Fahrzeugoberflächen und andere Spezialanwendungen können von der Perowskit-Technologie profitieren.
Die Zukunft der Perowskit-Solarzellen ist vielversprechend, doch der Weg von der Laborforschung zur Massenproduktion ist noch nicht vollständig beschritten. Experten erwarten, dass die ersten kommerziellen Perowskit-Silizium-Tandemmodule in den nächsten zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen werden. Wenn die Stabilitätsprobleme gelöst werden, könnten Perowskite die Photovoltaik revolutionieren und die Kosten für Solarstrom auf ein bisher unerreichtes Niveau senken.