Solarthermie im Winter – wie viel Ertrag ist realistisch? Tipps zur Optimierung Ihrer Anlage für die kalte Jahreszeit und maximale Wintererträge.
Solarthermie im Winter – dieses Thema beschäftigt viele Besitzer und Interessenten solarthermischer Anlagen. Die Frage, ob und wie viel Wärme eine Solarthermieanlage in den kalten Wintermonaten erzeugen kann, ist berechtigt und wichtig für die realistische Einschätzung der Technologie. In diesem umfassenden Artikel klären wir über die tatsächlichen Wintererträge auf und zeigen, wie Sie Ihre Solarthermieanlage für maximale Winterleistung optimieren können.
Zunächst die Grundlagen: Die Sonneneinstrahlung in Deutschland variiert stark zwischen Sommer und Winter. Während im Juni und Juli Einstrahlungswerte von 150 bis 180 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Monat erreicht werden, liegen die Werte im Dezember und Januar nur bei etwa 20 bis 30 Kilowattstunden. Das bedeutet, dass die winterliche Einstrahlung nur etwa ein Sechstel bis ein Achtel der sommerlichen beträgt. Für die Solarthermie im Winter heißt das: Die Erträge sind deutlich geringer als im Sommer, aber keineswegs null.
Die tatsächliche Leistung einer Solarthermieanlage im Winter hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Außentemperatur spielt eine wichtige Rolle, da die Wärmeverluste des Kollektors mit sinkender Außentemperatur zunehmen. Die Sonnenscheindauer ist kürzer, und der Sonnenstand ist flacher, was die effektive Einstrahlung auf geneigte Kollektorflächen beeinflusst. Gleichzeitig ist der Wärmebedarf im Winter am höchsten, was eine besondere Herausforderung darstellt.
Eine typische Solarthermieanlage zur Trinkwassererwärmung mit etwa 5 Quadratmetern Kollektorfläche kann auch im Winter an sonnigen Tagen die Wassertemperatur im Speicher deutlich anheben. An klaren Wintertagen können Flachkollektoren Temperaturen von 30 bis 45 Grad Celsius erreichen, was für die Vorerwärmung des Trinkwassers völlig ausreichend ist. Der konventionelle Heizkessel muss dann nur noch die restliche Temperaturdifferenz überbrücken, was die Heizkosten spürbar senkt.
Vakuumröhrenkollektoren zeigen im Winter deutlich bessere Leistungswerte als Flachkollektoren. Der Grund liegt in ihrer Bauweise: Die Vakuumisolierung der einzelnen Röhren minimiert die Wärmeverluste, sodass auch bei niedrigen Außentemperaturen hohe Kollektortemperaturen erreicht werden können. Im Vergleich zu Flachkollektoren liefern Vakuumröhrenkollektoren im Winter etwa 30 bis 50 Prozent mehr Ertrag, was den höheren Anschaffungspreis teilweise rechtfertigt.
Die Neigung der Kollektoren hat einen erheblichen Einfluss auf den Winterertrag der Solarthermie. Während im Sommer eine Neigung von 30 Grad optimal ist, profitieren Kollektoren im Winter von einer steileren Aufstellung. Bei einer Neigung von 60 bis 70 Grad trifft die flach stehende Wintersonne nahezu senkrecht auf die Kollektorfläche, was den Ertrag deutlich steigert. Allerdings geht ein steilerer Kollektorwinkel zulasten des Sommererertrags. Einige Systeme bieten daher verstellbare Kollektorhalterungen, die eine saisonale Anpassung der Neigung ermöglichen.
Schnee auf den Kollektoren ist ein häufig genanntes Problem der Solarthermie im Winter. In der Praxis ist dieses Problem jedoch weniger gravierend als oft angenommen. Bei steil montierten Kollektoren rutscht der Schnee aufgrund der glatten Glasoberfläche meist schnell ab. Zudem erwärmen sich die Kollektoren bei Sonneneinstrahlung schnell, was den Schnee zum Schmelzen bringt. Nur bei lang anhaltendem starkem Schneefall mit bedecktem Himmel kann eine Schneebedeckung die Erträge für einige Tage auf null reduzieren.
Die Speicherdimensionierung spielt für die winterliche Nutzung der Solarthermie eine wichtige Rolle. Ein größerer Speicher kann die an sonnigen Wintertagen gewonnene Wärme über mehrere Tage vorhalten und so auch an trüben Tagen noch solare Wärme bereitstellen. Für heizungsunterstützende Anlagen werden Pufferspeicher mit einem Volumen von 800 bis 1.500 Litern empfohlen, die neben der Solarthermie auch die Wärme des Heizkessels oder der Wärmepumpe aufnehmen können.
Die Regelungstechnik moderner Solarthermieanlagen ist für den Winterbetrieb optimiert. Intelligente Regler messen kontinuierlich die Kollektortemperatur und die Speichertemperatur und starten die Solarpumpe erst dann, wenn die Kollektortemperatur ausreichend über der Speichertemperatur liegt. Im Winter werden die Schaltdifferenzen oft angepasst, um auch geringe Temperaturdifferenzen nutzen zu können. Einige Regler berücksichtigen sogar die Wetterprognose und passen den Betrieb vorausschauend an.
Der Frostschutz ist im Winter ein sicherheitsrelevantes Thema. Die meisten Solarthermieanlagen in Deutschland verwenden ein Wasser-Glykol-Gemisch als Wärmeträger, das bis minus 25 bis minus 30 Grad Celsius frostsicher ist. Die Konzentration des Frostschutzmittels sollte regelmäßig überprüft werden, da sie durch thermische Belastung im Sommer abnehmen kann. Ein unzureichender Frostschutz kann zu schweren Schäden am Kollektorsystem führen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Solarthermie im Winter zwar deutlich weniger Ertrag bringt als im Sommer, aber dennoch einen spürbaren Beitrag zur Wärmeversorgung leisten kann. Mit der richtigen Auslegung, Optimierung und Wartung lassen sich die Wintererträge maximieren und die Heizkosten auch in der kalten Jahreszeit spürbar senken.