PV-Ueberschussladen: Wie viel Sonnenstrom wirklich ins Auto passt
Das eigene Auto mit Solarstrom vom Dach zu laden, ist für viele PV-Besitzer das Ziel. Wie gut das gelingt, hängt an Anlagengröße, Standzeiten und dem Fahrzeug – ob vollelektrisch oder Plug-in-Hybrid.

Microsoft Katja (Neural, deutsch)
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, ein Elektroauto in der Garage – für viele Eigenheimbesitzer ist das die naheliegende Kombination. Statt Überschussstrom für wenige Cent ins Netz einzuspeisen, fließt er direkt in die Fahrzeugbatterie. Wie hoch der Solaranteil am Fahrstrom am Ende tatsächlich ist, hängt allerdings von einigen Faktoren ab, die in der Werbung gern untergehen.
Das Prinzip
Beim Überschussladen misst ein Energiemanager oder die Wallbox selbst, wie viel Solarstrom gerade nicht im Haushalt gebraucht wird. Genau diese Leistung wird ins Fahrzeug geleitet. Scheint die Sonne kräftig, lädt das Auto schneller; zieht eine Wolke durch, wird die Ladeleistung reduziert oder pausiert.
Eine technische Hürde ist die Mindestladeleistung. Die meisten Fahrzeuge laden einphasig ab etwa 1,4 kW, dreiphasig ab rund 4,1 kW. Moderne Wallboxen schalten deshalb automatisch zwischen ein- und dreiphasigem Laden um, damit auch bei wenig Sonne geladen werden kann.
Eine realistische Rechnung
Eine typische PV-Anlage mit 10 Kilowatt Peak erzeugt in Süddeutschland rund 10.000 Kilowattstunden im Jahr – allerdings sehr ungleich verteilt. Im Juni sind es leicht über 1.300, im Dezember oft nur 200 bis 300 Kilowattstunden. Ein Elektroauto mit 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung und 17 Kilowattstunden Verbrauch braucht rund 2.550 Kilowattstunden.
Rechnerisch reicht die Anlage also locker. In der Praxis scheitert es an der Gleichzeitigkeit: Das Auto muss dann zu Hause stehen, wenn die Sonne scheint. Für Pendler, die tagsüber im Büro sind, ist das unter der Woche kaum der Fall. Realistisch sind dann Solaranteile von 30 bis 50 Prozent, bei Homeoffice oder einem Zweitwagen, der viel zu Hause steht, auch 70 Prozent und mehr.
Elektroauto oder Plug-in-Hybrid?
Interessant ist der Blick auf Plug-in-Hybride. Ihre kleineren Batterien sind schnell voll, was beim Überschussladen ein Vorteil sein kann: Schon ein sonniger Vormittag reicht, um die elektrische Reichweite für die nächsten Tage aufzufüllen. Aktuelle Modelle haben deutlich größere Batterien als frühere Generationen. Der Audi Q3 e-hybrid etwa kommt mit einer 25,7-Kilowattstunden-Batterie auf bis zu 119 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP. Der Audi A5 e-hybrid schafft bis zu 110 Kilometer und lädt dreiphasig mit 11 kW – damit kann er auch höhere PV-Überschüsse vollständig aufnehmen.
Einphasig ladende Plug-in-Hybride mit 3,7 kW Ladeleistung dagegen nutzen an sonnigen Tagen nur einen Teil des Überschusses. Wer überschussladen will, sollte beim Kauf deshalb gezielt auf dreiphasiges Laden achten. Daten zu den Plug-in-Varianten der Mittelklasse-SUVs nennt etwa die Seite zum Audi Q3.
Speicher, Tarife, Steuerung
Ein Batteriespeicher im Haus kann einen Teil des Mittagsstroms in den Abend verschieben, ist für das Laden eines Autos mit 60 oder 80 Kilowattstunden Batterie aber meist zu klein. Sinnvoller ist es, die Ladegewohnheiten anzupassen: Am Wochenende und an Homeoffice-Tagen gezielt mittags laden, unter der Woche nur nachladen, was nötig ist.
Wer zusätzlich einen dynamischen Stromtarif nutzt, kann in den sonnenarmen Monaten günstige Nachtstunden zum Laden nutzen. Steuerbare Wallboxen nach § 14a EnWG bringen zudem reduzierte Netzentgelte. Einen Überblick zu Tarifen und Lademöglichkeiten bietet der Ratgeber zum Elektroauto-Laden in Bayern.
Fazit
PV-Überschussladen lohnt sich – nicht, weil das Auto ausschließlich mit Sonne fährt, sondern weil jede selbst genutzte Kilowattstunde deutlich weniger kostet als Netzstrom. Wer Standzeiten, Ladeleistung und Fahrzeugwahl aufeinander abstimmt, holt aus der eigenen Anlage am meisten heraus.


